Die besten Ideen passen auf eine Serviette – und dann?

Aktualisiert: März 5

Von der Idee zum Produkt.





Das Dilemma der Produktentwicklung.


Aus Sicht des Erfinders (m/ w/ d) ist es eigentlich ganz einfach: Er hat die Idee, meist passt sie ja auf eine Serviette, der Entwickler setzt die Idee um. Doch die Realität sieht anders aus und offenbart zumeist einen unausweichlichen Konflikt: Für den Erfinder sind viele Details unwichtig, der Entwickler kann ohne deren Klärung nichts entwickeln. Aus Sicht des Entwicklers stellt sich die Situation ähnlich verzwickt dar: Jeden Tag eine neue Serviette, alles muss immer ganz schnell und unkompliziert gehen, am Liebsten sofort ein MVP und raus zu den Kunden. Doch oftmals passen Budget, Zeit und Inhalt gar nicht zusammen.

Zur Lösung dieses Dilemmas bedarf es also einer Umgebung und eines Vorgehens, in denen Ideen auf dem Weg in die Technik aufblühen und nicht verkümmern. Unter Aufblühen verstehen wir, dass sich das Wesen der Erfindung im Projekt prägnant widerspiegelt, in der Lösung Notwendiges von nicht Notwendigem unterscheidbar ist und die Ziele in Bezug auf Kosten, Zeit erreicht werden Wer kann das leisten? Betrachten wir dazu die Aufgabe des Erfinders und des Entwicklers und versuchen wir uns an einer Negativdefinition: Es ist nicht Aufgabe des Erfinders, alle Details zu beschreiben und es ist nicht Aufgabe des Entwicklers, Details zu erfinden.

Diese Erkenntnis legt nahe, dass es einer Rolle bedarf, die - gemäß unseren Erfahrungen - in Unternehmen zumeist fehlt. Eine Rolle, verantwortlich für die detaillierte Definition der Lösung (Produkt). Eine Rolle, die sowohl Erfinder als auch Entwickler verpflichtet ist – ein Bindeglied quasi zwischen Kreativität und Naturgesetzen. Für diese Rolle jedoch gibt es keinen erlernbaren Beruf und so sind eben jene erfolgskritischen Kompetenzen dieser Tätigkeit für den Transfer der Idee zum Produkt oftmals nicht vorhanden.


Mögliche Lösungsansätze für eine erfolgreiche Produktentwicklung.


Aus unserer vieljährigen Projekterfahrung lassen sich für das Dilemma der fehlenden „Bausteine“ einer erfolgreichen Produktentwicklung die folgenden Lösungsansätze aufbieten:


  • Ebenen von Requirements: In der Softwareentwicklung kommen wir weg von „den Requirements“ oder „dem Lastenheft“. Vielmehr geht es um die bewusste Aufstellung von Eben von Requirements, also bspw. sogenannte Business Requirements oder technische Requirements. Der Clou, verschiedene Rollen zeichnen für verschiedene Ebenen von Requirements verantwortlich. Der Erfinder könnte die Business Requirements definieren, woraufhin der Entwickler die technischen Requirements definiert. Wichtig hierbei: Die Requirements dienen der Idee und der Umgebung, nicht umgekehrt.

  • Etablierung eines Lösungsarchitekten. Kein Haus ohne Architekten. Kein Produkt ohne Lösungsarchitekt. Eben jener Lösungsarchitekt könnte es sein, der strukturell sämtliche Ebenen von Requirements definiert und inhaltlich zusammenführt zum Gesamtkonstrukt.

  • Einführung von Requirements Proxies. Nicht jeder Erfinder weiß im Detail, wie man nun Requirements formuliert oder hat die notwendige Zeit, Requirements zu formulieren. Die Engpässe dieser Personen kann man aufheben durch sogenannte Proxies, die das eigentliche Doing übernehmen. So ist es einfacher und effizienter, aus „kreativen“ Workshops Inhalte (Business Requirements) zu generieren, die dann der nächsten Ebene zur Verfügung stehen.

  • Transparentes Vorgehen. Der Einsatz verlässlicher und geeigneter Tools für das Projekt Management und Requirements Engineering ist unerlässlich (vgl. unser Webinar dazu).

Bei all dem ist wichtig, zu validieren und zu verifizieren. Requirements sind dafür der bevorzugte Ausgangspunkt, um diese immer wieder mit der ursprünglichen Idee zu spiegeln. Denn letztlich zählt nur, ob die Lösung das tut, was ursprünglich gewollt war und ob die Lösung dies korrekt tut!


Autoren: Alexander Grohmann & Michael Jungmann

#digitalisierung #futurebusiness

Dr. Alexander Grohmann übersetzt Digitalisierung von der Wissenschaft in die Business-Praxis und unterrichtet Digitaler Vertrieb und Digitalisierung an der Universität in Aalen, Deutschland. © 2021 Alexander Grohmann, alle Rechte vorbehalten

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